deutsch
|
english
Feministische Studien online

Archiv 1993-2018

Heft 2 Dezember 2017 

EINLEITUNG

1. Zum Schwerpunkt

Fragen nach den grundlegenden gesellschaftlichen Dynamiken, nach den Folgen und Grenzen der kapitalistischen Wirtschaftsweise sind nicht erst seit der Finanz- und Bankenkrise 2008 in den feministischen Debatten präsent (vgl. Bauhardt 2013, 2014, 2017). So nahmen ab Ende der 1970er Jahre Claudia von Werlhof, Maria Mies und Veronika Bennholdt-Thomsen (1983; Werlhof 1978; Mies 1983) im ökofeministisch begründeten Subsistenzansatz die weltweiten geschlechtlichen Arbeitsteilungen zum analytischen Ausgangspunkt ihrer Patriarchats- und Kapitalismuskritik. Ihre Gesellschaftsanalyse basiert auf der von ihnen konstatierten strukturellen Ähnlichkeit zwischen der Arbeit der Hausfrauen in den Industrieländern und den Arbeiten von Kleinbauern in den Ländern des Globalen Südens (vgl. auch: Riegraf 2015). Demnach verläuft die Aneignung dieser Subsistenzarbeit, also die gebrauchswertorientierte, unmittelbar auf die Herstellung und Erhaltung des Lebens gerichtete Arbeit, im Globalen Norden wie im Globalen Süden nach einem ähnlichen Muster und weist zudem Analogien zum gesellschaftlichen Naturverhältnis auf:

aus der Sicht der Herrschenden (ist) […] banalerweise jeweils alles das ›Natur‹ […], wofür sie nicht bezahlen oder bezahlen wollen, was sie nichts (oder möglichst wenig) kosten soll. Das ist alles, was sie sich durch Raub (anstatt Tausch) aneignen können, und darüber hinaus alles, was sie nicht erneuern und erhalten wollen. Dieses ›Was‹ ist tendenziell alles, nämlich der ganze Erdball samt seinen Produkten, Waren und Menschen (Werlhof 1983, 141).

Kritiken, wie die von Bennholdt-Thomsen, Mies und Werlhof an den zerstörerischen Dynamiken kapitalistischer Wachstumslogiken sind wiederum eng mit der Suche nach einer geschlechtergerechten Ökonomie, nach alternativen Produktions- und Konsumweisen und nach neuen Formen des gleichberechtigten gesellschaftlichen Zusammenlebens weltweit verknüpft.

Während durch die ökonomischen, sozialen und politischen Krisen das Interesse an kritischen Stimmen zur Wachstumsdynamik insgesamt durchaus anwuchs, wurden die feministischen Analysen in den öffentlichen und wissenschaftlichen Debatten kaum zur Kenntnis genommen. Unberücksichtigt blieben unter anderem ihre Perspektiven auf Krisen und dies, obwohl sich Feministinnen aus verschiedenen disziplinären Richtungen seit inzwischen mehr als vier Dekaden mit Fragen der ökonomischen Restrukturierung im Globalen Norden und im Globalen Süden und den damit einhergehenden Krisen auseinandergesetzt haben.

Eine wichtige Dimension feministischer Analysen bildet die von Frauen geleistete Care-Arbeit, die sowohl in neoklassischen Wirtschaftstheorien als auch in der marktzentrierten Restrukturierungspolitik supranationaler Geberorganisationen (wie Internationaler Währungsfonds und Weltbank, deren Kredite an Länder immer mit Kürzungsauf lagen der staatlichen Investitionen verbunden sind) im Kontext der Verschuldungskrise in den 1980er Jahren stets als unendlich verfügbare Ressource behandelt wird (Bakker 1994; Elson / Cagatay 2000; Aulenbacher / Riegraf / Theobald 2015). Die im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und der Eurozonenkrise seit 2010 entstandenen feministischen Analysen konzentrieren sich vor allem auf eine Kritik der politischen Ökonomie des Finanzmarktkapitalismus sowie auf die geschlechterhierarchische Grundstruktur europäischer und nordamerikanischer Volkswirtschaften (Bruff / Wöhl 2016; Kurz-Scherf / Scheele 2012; Young / Bakker / Elson 2011; Walby 2015). In diesem Zusammenhang werden sowohl die zunächst konjunkturell expansiv ausgerichteten Krisenbearbeitungsstrategien (z. B. in Deutschland) einer kritischen Reflexion unterzogen als auch die sozialen Auswirkungen der Austeritätspolitik insbesondere in den krisengeschüttelten südeuropäischen Ländern untersucht (z. B. Karamessini / Rubery 2013; Kantola / Lombardo 2017). In beiden Fällen (expansive sowie restriktive Fiskalpolitik) wird deutlich, dass die geschlechtshierarchische Arbeitsteilung vorausgesetzt wird und Fürsorge- bzw. Care-Arbeit (sei sie bezahlt oder unbezahlt) schlichtweg unberücksichtigt bleibt. So ging es etwa der deutschen Regierung in den Anf ängen der Krise 2008 vor allem um den Schutz männlicher Arbeitnehmer, weshalb massiv in die Automobil- und Baubranche investiert wurde. Solche expansiven Ausgaben ziehen jedoch im Nachgang häuf ig Einsparungen von öffentlichen Leistungen beispielsweise in den Bereichen der Betreuung und Pf lege nach sich, weshalb diese Wachstumsstrategie aus einer Geschlechterperspektive kritisch beurteilt wird (z. B. Kuhl 2010). An diesem Beispiel zeigt sich auch deutlich, dass die Sorge um die kapitalistische Produktionsweise mit einer fundamentalen »Sorglosigkeit« (Aulenbacher 2015, 42) im Umgang mit menschlichen und natürlichen Ressourcen einhergeht, wodurch die Krise der sozialen und ökologischen Reproduktion erzeugt und verschärft wird.

Eine weitere wichtige Erkenntnis feministischer Analysen ist, dass die marktzentrierten und wachstumsorientierten Reformen nicht nur ›einfachnegative Implikationen für Frauen nach sich ziehen (z. B. in Form einer erhöhten Arbeitsbelastung), sondern grundlegend eine Rekonfiguration nationaler Geschlechterregime bewirken. Dies zeigen vor allem jene Analysen, die sich mit der Austeritätspolitik im Zuge der Wirtschafts- und Eurozonenkrise auseinandersetzen. Denn die Sparpolitik zielt, wie Emanuela Lombardo (2017) eindrücklich zeigt, auf einen Umbau des Sozialstaates, der die Reprivatisierung der Care-Arbeit impliziert und konservativen Kräften bei der Wiederherstellung traditioneller Familienmodelle und Geschlechterarrangements in die Hände spielt. In Verbindung mit einer zunehmenden Prekarisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse führt diese Reprivatisierung aufgrund fehlender finanzieller und zeitlicher Ressourcen zu einer Zuspitzung der sozialen Reproduktionskrisen und der Verschärfung geschlechtlicher Ungleichheitsverhältnisse. Die Maßgabe der Haushaltsdisziplin wird zudem zum Anlass genommen, um Einsparungen im Bereich der nationalen Gleichstellungspolitik vorzunehmen. Dabei sind gleichstellungspolitische Maßnahmen, wie Elisabeth Klatzer und Christa Schlager (2014) betonen, besonders in sozialen und ökonomischen Krisenzeiten notwendig, um die geschlechtsspezif ischen Effekte der Krise (zumindest) abzumildern.

Die Verwobenheit von vielfältigen Diskriminierungen und Ungleichheitsverhältnissen (Intersektionalität) bildet eine weitere wichtige Dimension gegenwärtiger feministischer Krisenanalysen (vgl. hierzu: Aulenbacher / Riegraf 2012). Akwugo Emejulu und Leah Bassel (2017) fragen beispielsweise, von wessen Krise eigentlich die Rede ist, wenn feministische Analysen sich aktuellen Krisendynamiken widmen. Im Mittelpunkt ihrer Kritik steht das dominante Krisennarrativ bzw. eine spezif ische Repräsentation »der« Krise in der feministischen Literatur. Sie verweisen auf die »unsichtbare« Krise von »minority women« in Großbritannien und Frankreich (189). Migrantische Frauen seien nicht erst seit 2008 mit sozialen Einschnitten und Prekarisierungstendenzen konfrontiert. Sie seien vielmehr von tiefgreifenden, alltäglichen und institutionalisierten Ungleichheitsverhältnissen bzw. einer »routinisierten Krise« (186), wie Emejulu und Bassel es nennen, betroffen. Diese Perspektive ist für die feministische Krisenanalyse insofern zentral, als sie Krisen nicht als temporär fixierbare und singuläre Phänomene fasst, sondern als alltägliche, auf Ungleichheitsverhältnissen basierende gesellschaftliche Strukturierung begreift. Folglich kann die Lösung zur Überwindung von Krisen nicht sein, statt einer neoliberalen Wachstumsstrategie eine geschlechtergerechte sozialdemokratische Wachstumsstrategie zu verfolgen, wie Sylvia Walby in ihrem Buch »Crisis« vorschlägt (Walby 2015, 152 f.). Ein solcher Lösungsvorschlag verkennt zum einen, dass vielfältige Differenzen und sich wechselseitig verstärkende Ungleichheitsverhältnisse Krisen bedingen. Zum anderen wird die Krise der gesellschaftlichen Naturverhältnisse dabei gänzlich ausgeblendet.

Mit den Fragen nach den Ursachen für die gegenwärtigen Entwicklungen, danach, wie sich diese Entwicklungen aus einer feministische Perspektive darstellen und wie eine solche Perspektive auf alternative Lebens-, Konsum- und Produktionsweisen jenseits der kapitalistischen Entwicklungsdynamik aussehen kann, beschäftigt sich diese Ausgabe »Ökonomie jenseits des Wachstums« der feministischen studien. Die Beiträge konzentrieren sich dabei vorwiegend auf die Analyse der Entwicklungen im europäischen Raum und hier im Besonderen auf Südeuropa, da diese Gesellschaften und die in ihr lebenden Menschen die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008 sowie der Eurozonenkrise seit 2010 in ihrem Alltag in besonderer Weise zu bewältigen haben.

Der einleitende Aufsatz von Yayo Herrero mit dem Titel »Produzieren und arbeiten, um das menschliche Leben zu erhalten« (Producir y trabajar para mantener la vida humana), der erstmals im Juni 2014 in der Zeitschrift VIENTO SUR erschien, führt mit einem Überblick über die Grundlagen und Ansatzpunkte feministischer Analysen in den Schwerpunkt des Heftes ein. Im Zuge der krisenhaften Entwicklungen der letzten Jahre entstehen national und international neue Bewegungen, wie die Degrowth-Bewegung, Projekte urbaner Landwirtschaft, Tauschringe oder die Slow Food Bewegung, die alle der Anspruch eint, eine grundlegende Kapitalismuskritik mit der Suche nach emanzipatorischen, umweltschonenden und nachhaltigen alternativen Wirtschafts- und Lebensmodellen zu verbinden. Alle Beiträge im Schwerpunkt dieses Heftes beschäftigen sich auf die eine oder andere Weise mit der Suche nach alternativen, solidarischen und sozial-ökologischen Lebensweisen jenseits des Wachstumsparadigmas.

Dominique Méda diskutiert in ihrem Beitrag im Anschluss an Joan Trontos moralphilosophische und feministische Überlegungen, in welcher Weise eine feministische Ethik der Sorge zu einem theoretischen Modell beitragen kann, das auch die Sorge für die Natur umfasst und was ein solches Modell in der praktischen Umsetzung bedeuten würde. Laura Pérez Prieto und Mónica Domínguez-Serrano stellen mit Verweis auf die Degrowth-Bewegung die theoretische sowie die lebenspraktische Suche nach Wegen aus der Wachstumsgesellschaft dar. Sie diskutieren entlang verschiedener Projekte in Spanien, inwiefern diese feministischen Ansprüchen gerecht werden. Eirini Gaitanou illustriert am Beispiel Griechenlands die verheerenden Auswirkungen der Krise auf die Lebenssituation von Frauen und analysiert die Bedingungen sowie die Ansätze des feministischen Widerstands gegen die ökonomische und politische Krise. Dabei nimmt sie auch die alltägliche Krise von Gef lüchteten – bzw. die routinisierte Krise, wie es Emejulu und Bassel (2017) nennen würden – in den Blick und skizziert Ansätze einer alternativen solidarischen Bewegung. Auch Christa Wichterich analysiert in ihrem Beitrag »Viele Orte überall: Care-Logik in alternativen Projekten« alternative Lebens- und Wirtschaftsweisen. Wie Laura Pérez Prieto und Mónica Domínguez-Serrano interessiert sie sich für die Frage, ob diese Projekte den Anspruch an eine geschlechtergerechte Lebens- und Wirtschaftsweise einlösen können.

Auch im Diskussionsteil wird der Schwerpunkt des Heftes weiter aufgenommen. Das viel gerühmte »gute Leben« – was bedeutet es, für wen, und unter welchen Bedingungen? Nadine Dannenberg analysiert in dem Beitrag »I’m not so sure humanity’s worth saving«. Zum Zusammenhang von Zombies, Männlichkeit und Kapitalismuskritik in The Walking Dead (2010-) und Z Nation (2014-)« das für seinen kapitalismuskritischen Impetus bekannte Zombie-Genre. In ihrer Analyse zeitgenössischer (serieller) Zombienarrationen geht es Dannenberg aus einer Geschlechterperspektive um die Frage, inwiefern dieses Genre bestehende gesellschaftliche Verhältnisse nicht nur spiegeln, sondern auch kritisch reflektieren kann, ob in diesen Filmen Alternativen konzipiert werden, in denen eine ungleichheitsbedingende Dynamik des permanenten Otherings überwunden werden kann. In der Leseart von Dannenberg kann die Figur des Zombies für das Andere stehen, das gesellschaftlich Unkontrollierte, das Ungezügelte, das Ausgegrenzte – für alles, was nicht als weiß, männlich und heterosexuell gilt.

Hierarchische Geschlechterverhältnisse und hegemoniale Männlichkeit sind tief in die industriekapitalistischen Wachstumsgesellschaften eingeschrieben. Wie wäre eine Transformation von Männlichkeit theoretisch und empirisch zu fassen, die über eine expansive Wachstums- und Wettbewerbslogik hinaus auf den Horizont egalitärer Geschlechterbeziehungen in einer Kultur der Fürsorglichkeit verweist? Diese Frage zwischen der Verbindung von Männlichkeiten und kapitalistischer Wachstumsdynamik nehmen Sylka Scholz und Andreas Heilmann in ihrem Aufsatz in den Blick, der dann von Mike Laufenberg und Julia Gruhlich kommentiert wird. Zwischen den vier Autor_innen entstand im Laufe des Entstehungsprozesses dieses Heftes ein so konstruktiver und lebhafter Diskussionsprozess, dass wir ihn dokumentieren wollen. Heilmann und Scholz geht es um die Frage, inwiefern in dem sich in einigen gesellschaftlichen Bereichen zaghaft zeigenden neuen Verhältnis zwischen Männlichkeit und Care eine grundlegende Sprengkraft für kapitalistische Gesellschaften liegt, da diese bislang auf der Homologie von Weiblichkeit und Care aufgebaut haben. Der starken These von Heilmann und Scholz, dass es hier zu einer neuen Subjektivität kommt, die durchaus sprengendes Potential hat, widersprechen Laufenberg und Gruhlich mit teilweise ähnlich gelagerten, teilweise unterschiedlichen Argumenten. Die Diskussion um die Thesen zu caring masculinities von Heilmann und Scholz ist eröffnet!

Seit der Kulmination der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Wirtschaftswissenschaften selbst aus den eigenen Reihen und von eher zustimmenden Seiten erheblich kritisiert worden. Die Kritik entzündet sich nicht nur daran, dass der Mainstream der Wirtschaftswissenschaften die Krise in keiner Weise vorher gesagt hat, sondern vor allem daran, dass die dominanten Wirtschaftstheorien kein überzeugendes Analyseinstrument zur Verfügung stellen, mit dem die Dynamik der Entwicklung erklärt werden kann. Diese Kritik an den Wirtschaftswissenschaften ist für feministische Ansätze keineswegs neu, haben sie doch immer auf die Begrenztheit der dominanten Modelle der Wirtschaftswissenschaften hingewiesen und darauf, dass gesellschaftliche Entwicklungsdynamiken lediglich dann angemessen analysiert werden können, wenn die gesamte Ökonomie einer Gesellschaft und damit auch unbezahlte Sorgearbeit veranschlagt wird. Feministische Ökonomie weitet demgegenüber den Blick auf die gesamte Ökonomie einer Gesellschaft. Die Begrenztheit der Wirtschaftstheorien und Care Ökonomie als zukunftsfähiges Wirtschaftsmodell sind zentrale Forschungsgebiete von Ulrike Knobloch. Zum Verhältnis von Care-Ökonomie und Postwachstum hat sie uns für die Rubrik »Im Gespräch« ein Interview gegeben.

In Krisenzeiten ist immer auch Solidarität gefragt. Der Film »PRIDE«, der 2014 in deutschen Kinos anlief, erzählt die Geschichte der Londoner Gruppe »Lesbians and Gay Men Support the Miners«, die während der einjährigen landesweiten Miner’s Strikes (1984 / 85) eine streikende Waliser Bergbau-Gemeinde unterstützte. Dieses Engagement der Londoner Gruppe wurde als Beispiel dafür diskutiert, dass sich milieuübergreifende Solidarität bilden und wie diese aussehen kann. Inga Nüthen führte für die feministischen studien unter der Überschrift »Solidarity comrade – That’s what I would call real intersectionality« ein Gespräch mit Ray Goodspeed, Gründungsmitglied der Gruppe.

2. Bilder und Zeichen

Die Arbeiten der multimedial arbeitenden, indischen Künstlerin* Tejal Shah, in die in der Rubrik »Bilder und Zeichen« ein kleiner Einblick gegeben wird, sind alle politisch motiviert. Shah beschreibt sich selbst und ihr Werk als feministisch, queer und politisch. Dem deutschen Publikum wurden diese Arbeiten erstmals 2011 mit einer Einzelausstellung in der Münchner Galerie Barbara Gross vorgestellt. 2012 nahm Shah mit einer vielbeachteten Videoinstallation Between The Waves (2012) an der 13. Documenta in Kassel teil. In der Reihe Between The Waves, aus der die in dieser Ausgabe der feministischen studien abgedruckten Bilder stammen, entwickelt Shah eine eigene Vision einer Evolutionsgeschichte, die mit den üblichen Vorstellungen von Körperlichkeit und Sexualität bricht. Wir danken Tejal Shah und der Galerie Barbara Gross ganz herzlich dafür, dass sie uns diese beeindruckenden Bildausschnitte der Videoinstallation ohne Zögern zur Verfügung gestellt haben.

An dieser Stelle möchten sich die Redaktion der feministischen studien und die Gastherausgeber_innen dieser Ausgabe ganz besonders herzlich bei Ulrike Gerhardt bedanken. Trotz ihrer vielf ältigen Aufgaben als Kunst- und Kulturwissenschaftlerin, als freie Autorin und Kuratorin, als Promovendin und als künstlerische Leiterin von D’EST, einer multi-kuratorischen Online-Plattform, findet sie immer wieder die Zeit, uns in einer so unschätzbaren und wertvollen Weise zu unterstützen. Ohne ihre Hinweise wäre uns die Rubrik »Bilder und Zeichen« in manchen der bisherigen Ausgaben sicher nicht so gut gelungen.

3. Außer der Reihe

In der Rubrik »Außer der Reihe« nimmt Barbara Rendtorff in ihrem Beitrag »Sexualisierungen als Elemente der Fremdenabwehr« die Beobachtung auf, dass Fremdenangst, Fremdenfeindlichkeit und Fremdenabwehr in vielfältiger Weise auf das Sexuelle auf baut – als sexualisierte Angst, als Angstlust, als Projektion, als Sexualneid, als Verweiblichung von Männern oder Hypersexualisierung bestimmter Gruppen von Frauen oder Männern. Sie bedient sich dabei vier verschiedener Theoriestränge, um der Beteiligung und der Bedeutung des Sexuellen nachzugehen.

Elisabeth Bösl analysiert die Wissensproduktion in der Archäologie und zeigt, wie und auf welchen teilweise unreflektierten Vorannahmen zu Geschlecht und Geschlechterverhältnissen viele Forschungsarbeiten basieren, was wiederum zu verzerrten Erkenntnissen über ihre Ausgestaltung und Bedeutung in der Geschichte führt.

Auch in diesem Heft sind zahlreiche Rezensionen und Berichte zu finden. Sie belegen, was für ein lebendiges und produktives Feld die feministische Forschung ist.

Christine Bauhardt, Gülay Çağlar, Birgit Riegraf

Literatur

Aulenbacher, Brigitte (2015): Wider die Sorglosigkeit des Kapitalismus. Care und Care-Work aus Sicht feministischer Ökonomie- und Gesellschaftskritik. In: Aulenbacher, Brigitte / Riegraf, Birgit / Völker, Susanne (Hrsg.): Feministische Kapitalismuskritik. Münster, 32 – 45.

Aulenbacher, Birgitte / Riegraf, Birgit (2012): Intersektionalität und soziale Ungleichheit. www.portal-intersektionalität.de (07.09.2017).

Aulenbacher, Brigitte / Riegraf, Birgit / Theobald, Hildegard (Hrsg.) (2014): Sorge: Arbeit, Verhältnisse, Regime. Care: Work, Relations, Regimes. Soziale Welt, Sonderband 20. Baden-Baden.

Bakker, Isabella (1994): The Strategic Silence. Gender and Economic Policy. London. Bauhardt, Christine (2013): Feministische Ökonomie, Ökofeminismus und Queer Ecologies – feministisch-materialistische Perspektiven auf gesellschaftliche Naturverhältnisse. In: Jahrbuch Ökonomie und Gesellschaft 25: Gender und ökonomischer Wandel. Marburg, 11 – 46.

Bauhardt, Christine (2014): Solutions to the Crisis? The Green New Deal, Degrowth, and the Solidarity Economy: Alternatives to the capitalist growth economy from an ecofeminist economics perspective. In: Ecological Economics 102, 60 – 68.

Bauhardt, Christine (2017): Ökofeminismus und Queer Ecologies. Feministische Analyse gesellschaftlicher Naturverhältnisse. In: Kortendiek, Beate / Riegraf, Birgit / Sabisch, Katja (Hrsg): Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung. Im Erscheinen.

Bruff, Ian / Wöhl, Stefanie (2016): Constitutionalizing Austerity, Disciplining the Household. Masculine Norms of Competitiveness and the Crisis of Social Reproduction in the Eurozone. In: Hozić, Aida A. / True, Jacui (eds.): Scandalous Economics. Gender and the Politics of Financial Crisis. New York, 92 – 108.

Elson, Diane / Cagatay, Nilüfer (2000): The social content of macroeconomic policies. In: World Development 28 (7), 1347 – 1364.

Emejulu, Akwugo / Bassel, Leah (2017): Whose Crisis Counts? Minority Women, Austerity and Activism in France and Britain. In: Kantola, Johanna / Lombardo, Emanuela (eds.): Economic Crisis in Europe. Politics, Institutions and Intersectionality. London, 185 – 208.

Karamessini, Maria / Rubery, Jill (eds.) (2013): Women and Austerity. The Economic Crisis and the Future for Gender Equality. London, New York.

Kantola, Johanna / Lombardo, Emanuela (eds.) (2017): Economic Crisis in Europe. Politics, Institutions and Intersectionality. London.

Klatzer, Elisabeth / Schlager, Christa (2014): Feminist Perspectives on Macroeconomics: Reconf iguration of Power Structures and Erosion of Gender Equality Through the New Economic Governance Regime in the European Union. In: Evans, Mary / Hemmings, Clare / Henry, Marsha / Johnstone, Hazel / Madhok, Sumi / Plomien, Ania / Wearing, Sadie (eds.): The SAGE Handbock of Feminist Theory. London, 483 – 499.

Kuhl, Mara (2010): Are the Economic Stimulus Programmes Fair for Everyone? A Budget-oriented Gender Analysis of Economic Stimulus Packages I and II. Expert opinion commissioned by the Women and Gender Studies Research Group of the Friedrich-Ebert-Stiftung.

http://www.dr-mara-kuhl.de/f ileadmin/user_upload/Are_the_economic_stimulus_programme_fair_for_everyone_-_Mara_Kuhl.pdf (07.09.2017)

Kurz-Scherf, Ingrid / Scheele, Alexandra (Hrsg.) (2012): Macht oder ökonomisches Gesetz? Zum Zusammenhang von Krise und Geschlecht. Münster.

Lombardo, Emanuela (2017): Austerity Politics and Feminist Struggles in Spain: Reconf iguring the Gender Regime? In: Kantola, Johanna / Lombardo, Emanuela (eds.): Economic Crisis in Europe. Politics, Institutions and Intersectionality. London, 209 – 230.

Mies, Maria (1983): Subsistenzproduktion, Hausfrauisierung, Kolonisierung. In: beiträge zur feministischen theorie und praxis 9 / 10, 115 – 124.

Riegraf, Birgit (2015): Gerechtigkeit, Arbeit und soziale Ungleichheiten in den Gegenwartskapitalismen. In: Aulenbacher, Brigitte / Riegraf, Birgit / Völker, Susanne (Hrsg.): Feministische Kapitalismuskritik. Münster, 56 – 100.

Walby, Sylvia (2015): Crisis. Cambridge, Malden.

Werlhof, Claudia von (1978): Frauenarbeit: Der blinde Fleck in der Kritik der politischen Ökonomie. In: Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis 1, 18 – 32.

Werlhof, Claudia von (1983): Zum Natur- und Gesellschaftsbegriff im Kapitalismus. In: Werlhof, Claudia von / Mies, Maria / Bennholdt-Thomsen, Veronika (Hrsg.): Frauen, die letzte Kolonie. Reinbek, S. 140 – 163.

Werlhof, Claudia / Mies, Maria / Bennholdt-Thomsen, Veronika (1983): Frauen, die letzte Kolonie. Reinbeck.

Young, Brigitte / Bakker, Isabella / Elson, Diane (eds.) (2011): Questioning Financial Governance from a Feminist Perspective. London, New York.